Kapitel 2

Alex und der wolpertinger

Kapitel 2: Der Windwagen

Ich hatte keine Zeit, um mich erst einmal an meine neue Umgebung zu gewöhnen. In der großen Schlossküche gab mir der alte Spachtel Brenner sofort etwas zu arbeiten. Ich musste einen großen Topf Suppe umrühren und er blieb ständig in meiner Nähe. Seine Kleider waren voll mir Flecken und er was so rund wie ein Fass. Er was ein Mensch wie ich und kein Riese wie der Prinz. Ich hätte nie gedacht, dass ich Riesen begegnen würde, wenn ich die Berge verließe.

"Wen hat der Prinz mir jetzt wieder aufgelastet?" fragte sich der Koch laut. "Ein Schwächling! Ein kleiner Junge ohne Muskeln! Du kannst doch noch nicht einmal ein Fässchen Bier aus dem Keller holen! Und verstehst du was vom Kochen? Wofür verwendest du Petersilie, wofür Knoblauch und Zwiebel? Kannst du eine schmackhafte Pastete zubereiten? Glaubst du wirklich, dass du etwas Leckeres aus Löwenzahn machen kannst? Wie viel Mehl braucht man für ein Brot? Rühren, Alex! Rühren! Eine Suppe wird erst richtig gut, wenn man kräftig rührt. Wie viel Eier braucht man für ein großes Omelette und wie viel Zucker für einen Brei?"

Ich gab mir die größte Mühe. Ich rührte und rührte. Erst etwas später wagte ich es, mich umzuschauen. Der alte Brenner backte Brot in einem großen Steinofen. Auf einem Tisch mitten zwischen den Essenwaren sah ich einen Kater liegen. Mit großen, gelben Augen sah das Ter mich an.

"Wem gehört der Kater, Spachtel?" fragte ich.

"Niemanden. Ein Spielmann brachte ihn eines Tages mit. Er ließ ihn hier zurück als er zu einem anderen Schloss ging, um dort zu singen und Geschichten zu erzählen. Der Kater ist genauso lästig wie du. Er kam einfach ohne zu fragen in meine Küche… Du sollst kochen obwohl du nichts davon verstehst… und der Kater muss Mäuse fangen und hat soviel ich weiß noch nie eine erwischt…!"

"Wie heißt er?"

"Du rührst doch noch die Suppe weiter?"

"Ja… ja, Spachtel…"

"Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, dass der Spielmann sagte, dass er Kubus heißt. Es ist schon ein alter Kater und sein Fell ist verblasst und fleckig. Er isst aber gut und sieht tatsächlich wie ein Würfel aus. Deshalb wird ihn der Spielmann auch Kubus genannt haben.“

Ich ließ den Löffel in dem Suppenkessel stehen und lief zu dem Kater hin. Als ich seinen Kopf streichelte, hörte ich wie er schnurrte.

"Nein, du siehst ganz du gar nichtblass und fleckig aus," sagte ich.

"Nicht zu glauben," sagte der Koch. "Ich höre ihn sogar hier schnurren. Bei mir murrt er immer nur. Es ist eine echte Meckerer…"

"Ich möchte gerne Freundschaft mit ihm schlissen," entschied ich. "Deshalb nenne ich ihn Meckerfreund! Ein meckernder Freund. Ja, ich werde ihn in Zukunft Kubus Meckerfreund nennen!"

Der Kater schaute mich an. Es war als ob er mir zuzwinkern würde. Ich hatte diesen alten, grauen Kater gern.

"Zurück zum Kessel!" schnauzte der Koch. "Du bist hier zum Arbeiten und nicht um den Kater zu streicheln. Lass de Suppe nicht überkochen! Ich glaube nicht, dass ich viel Hilde an dir haben wird, Junge. Ich kann nur hoffen, dass der Prinz dich ganz schnell wieder zum Tor hinauswirft. In einem großen Bogen zurück in die Alpen…"

Ich hielt meinen Mund. Der Kater hatte sich hingesetzt und fing an, seine Vorderpfote abzuschlecken. Eine Maus lief über den Tisch. Kubus Meckerfreund hätte sie leicht fangen können. Er schaute aber nicht mal hin. Die Maus biss mit ihrem kleinen Zähnchen in ein Stück Käse. Genau in diesem Augenblick betrat Leo Lärm die Küche.

Mir seiner Faust schlug er das Stück Käse so flach wie eine Münze. Der Kater sprang kreischend auf und machte, dass er davon kam. Piepend versuchte auch die Maus zu entkommen.

"Hunger!" brüllte der Prinz. "Und wann fängt der dumme Kater endlich Mäuse, Brenner?"

Der Koch holte zwei Brotlaibe aus dem Ofen. Überrascht sah ich wie der Prinz sie nahm und zu mir gelaufen kam. Er schmiss die zwei Brote in die Suppe und nahm den glühend heißen Kessel vom Feuer…

"Prinz!" wollte ich noch warnen und winkte mit meinem hölzernen Kochlöffel. "Die Brote und die Suppe sind noch viel zu heiß…"

Er hörte nicht auf mich, hielt den Kessel an seine Lippen und begann zu trinken, zu kauen und zu schlucken. Nach einer Minute war der große Kessel leer. Er hing ihn wieder über das Feuer zurück, wischte seinen Mund mit dem Handrücken ab und schaute mich dann an.

"Sagtest du etwas, Junge?"

© Copyright 2016. All Rights Reserved.